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Mit Ritualen Stress in der Familie vermeiden

Mit Ritualen Stress in der Familie vermeiden

Mit Ritualen Stress in der Familie vermeiden

Viele von uns Alleinerziehende können davon ein Lied singen: Der Stress in der Familie fängt bereits am Morgen nach dem Aufstehen an und hört am Abend beim Schlafengehen auf. Doch lässt sich der Stress in der Familie mit verschiedenen Ritualen vermeiden? Hier findest du ein paar nützliche Tipps und Tricks:

Gewohnter Alltagsstress in Familien

„Lisa lass‘ dir jetzt noch schnell eine Strumpfhose anziehen. Wir müssen dringend weg. Weil ich vor der Arbeit noch beim Steuerbüro vorbeifahren sollte.“ Ungehalten und mit strengem Ton möchte die Mutter ihre vierjährige Tochter dazu bringen, sich ebenfalls zu sputen. Zwischendurch verstaut die Mutter wichtige Abrechnungen in ihrer Tasche und sucht hektisch im Bad nach einem Deo.

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„Wir sind heute viel zu spät aufgestanden, so beginnt der Tag wieder mit Hektik, Stress und Dränglerei“, denkt die Mutter. Denn in einer halben Stunde soll sie bereits in der Dienstbesprechung sein und dazwischen muss sie ihre Tochter in den Kindergarten bringen. Auf der Fahrt zur Arbeit soll sie beim Steuerberater die restlichen Rechnungen abliefern. Und jetzt stellt sich das Mädchen bockig. Gerade diese Strumpfhose will sie nicht anziehen, weil sie angeblich kratzt. Was ist zu tun? Die Tochter ohne Strumpfhose in den Kindergarten schicken?

Die Dienstbesprechung verschieben? Oder doch alles noch über die Bühne bringen? Ein missglückter Start in den Arbeitstag! Wenn es jedoch Familien gelingt, bei Übergängen und Einschnitten im Tagesablauf Rituale einzurichten, so wechseln sich Anspannung und Stress mit Oasen der Ruhe, Entspannung und Feierlichkeit ab. Die folgenden Überlegungen zeigen, wie sich ein Tagesablauf in Abschnitte gliedern lässt und wie Rituale in Familien dazu beitragen können, im Tag Oasen der Ruhe, Entspannung und der Feierlichkeit einzurichten.

Rituale im Alltag

Wenn noch soviel zusammenkommt und eine Erledigung die andere hetzt, so lassen sich in der Regel im Familienalltag mehrere Abschnitte erkennen. Die vorgefundenen Übergänge bieten sich an, Rituale bewusst zu platzieren. Häufig sind an solchen Einschnitten auch bestimmte Routinen zu beobachten, die den Tagesablauf mit seinen Anforderungen erleichtern.

Diese können bewusst ausgebaut und als Rituale etabliert werden. So entstehen Inseln der Entspannung und Besinnung. Jeder gewöhnliche Tag in einer Familie weist drei große Abschnitte auf: Die Zeit am Morgen, die Mittagszeit und die Abendzeit. In diese Zeitabschnitte fallen Aufgaben und Pflichten, brauchbare Rituale können Erleichterung schaffen und Energien freisetzen. Nicht in jeder Familie wird es möglich sein, für die genannten Übergänge Rituale zu finden, bei denen sich alle beteiligen können, aber auch ein Ritual mit einigen Kindern und einem Elternteil gefeiert, zeitigt weitreichende Wirkungen.

Mehr noch: Rituale, die für Eltern und Kinder erfreulich und erbaulich sind, werden auch dann von den Kindern weitergeführt, wenn die Eltern nicht dabei sein können. Und später, wenn die Kinder erwachsen sind und eine eigene Familie gegründet haben, werden diese Rituale das Familienleben strukturieren und bereichern. Kennst du bereits unsere Singlebörse für Alleinerziehende? Hier warten tausende Alleinerziehende darauf, dich kennenzulernen.

Rituale zu Beginn des Tages

„Der Kuschel-Wuschel-Morgen steht vor dem Aufstehen“, meint eine Mutter. Sie erzählt, dass sie ihrer siebenjährigen Tochter durch die Haare fahren und sie dann fest drücken muss, bevor sie aus dem Bett will. Nach diesem Ritual geht sie froh gestimmt ins Bad und findet sich bald am Frühstückstisch ein. „Guten Morgen mein Schatz!“ singt eine Mutter, wenn sie ihr Baby weckt und benennt alles, was sie anschließend bei der Pflege mit dem Baby macht: „Ich wechsle jetzt die Windel. Jetzt wirst du eingecremt …“

„Großen Erfolg hat bei meinem Sohn der Weckkasperl. Ich gehe ins Kinderzimmer mit der Kasperlfigur in der Hand und singe ‚Tri Tra Trallala der Weckkasperl ist da!‘ Wenn das Kind dann nicht gleich aufsteht, stupst der Kasperl es an die Nase oder zupft am Ohr und ich singe nochmals.“ So berichtet eine Mutter von ihren Erfahrungen. Eine weitere Möglichkeit den Kindern das Aufstehen zu erleichtern ist, auf schöne Dinge des kommenden Tages hinzuweisen:

„Aufstehen mein Sonnenschein! Heute ist der beste Tag für deine erste Reitstunde …“ Jedes Kind hat seine individuelle Art aufzustehen. Während manche Kinder eine ausgedehnte Aufweckzeremonie brauchen, wollen andere Kinder in Ruhe gelassen werden und nur sehr gemächlich aus dem Bett heraus- und in den Tag hineinrollen. Alle hier beschriebenen Beispiele haben gemeinsam, dass sie versuchen auf sanfte und aufmunternde Weise die Kinder auf den Tag einzustimmen.

Wasch- und Körperpflegerituale

Bei Babys kann die Körperpflege zum Ritual werden, wenn die Pflegehandlungen mit Worten begleitet und regelmäßig in der gleichen Reihefolge durchgeführt werden. Sprüche und Fingerspiele geben der Körperpflege einen fröhlichen und teils feierlichen Anstrich; Zum Beispiel das folgende Fingerspiel: Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen, der klaubt sie auf, der trägt sie nach Haus und der kleine Wuziwuzi isst sie alle wieder auf. (Nacheinander werden die einzelnen Finger angefasst und etwas geschüttelt.).

Noch lustiger und ansprechender wird dieser Vorgang, wenn die Mutter in einen einfachen Singsang ihre Sätze kleidet, beispielsweise lassen sich Kinderlieder aus dem Stehgreif heraus umtexten, so dass sie die momentane Situation besingen: So das Lied „Summ, summ, summ, Bienchen summ herum …“ zu „Summ, summ, summ, Baby dreh dich um“. Ausgebaut kann solch ein Pflegeritual mit allerlei Zärtlichkeiten werden, beispielsweise einem Kitzeln in der Handfläche und auf der Fußfläche, einem Kuss aufs Bäuchlein.

Beim Kitzeln kann man die Reflexe des Kindes beobachten und zugleich werden die Sinne stimuliert. Auch bei Kindergartenkindern und Schulkindern wird die Körperpflege unkompliziert und lustig, wenn sie spielerisch und ritualisiert wird, zum Beispiel ein Handsalat beim Händewaschen. Eltern und Kinder halten gemeinsam ihre Hände ins Wasser und waschen sich gegenseitig. Du bist Alleinerziehend und hast Geldprobleme? Dann findest du hier unsere finanziellen Hilfen für Alleinerziehende.

Das gemeinsame Frühstück

Der Frühstückstisch ist der Sammelplatz für alle Familienmitglieder. Ausgeruht und gewaschen sitzen alle zusammen, um sich für den neuen Tag zu stärken. Single Mütter, alleinerziehende Papas und Kinder sehen und erleben sich hier als Gemeinschaft, die miteinander kommuniziert, die sich gegenseitig stützt und die Beziehungen genießt. „Wie war die Nacht? Hast du gut geschlafen?“

Ob die Nacht erholsam und erquicklich war, können Eltern und Kinder sich mitteilen. Gab es Träume, oder gar gefährliche und erschreckende Träumereien? All das kann am Frühstückstisch vorgebracht werden. Eine Sichtung der Erlebnisse und Energien stimuliert noch zusätzlich und steigert die Tatkraft. Einem solchen Aufbruch in den Tag kann ein gemeinsames Morgengebet noch zusätzlich Würde und Feierlichkeit verleihen.

Im Morgengebet wird Gottes Schutz und Segen für das Gelingen des Tages erbeten und zugleich werden Zusammenhalt und Vertrauen zueinander gestärkt. Ein Beispiel für ein Morgengebet: Im Namen Gottes fang ich an. Mir helfe Gott, der helfen kann. Wenn Gott mir hilft, wird alles leicht. Wenn Gott nicht hilft, wird nichts erreicht. Darum ist das Beste, was ich kann, im Namen Gottes fang ich an.

Das gemeinsame Morgenlied

Familien mit Vorlieben für Musik und Gesang können sich vortrefflich mit einem Morgenlied auf den Tag einstimmen. Ein klingender Tagesanfang hebt die Fröhlichkeit und Harmonie deutlich heraus und lässt auch bei Eltern und Kindern dieses Erlebnis weit in den Tag hinein nachklingen:

Zwei Beispiele für eine gesangliche Eröffnung des Tages: Erster Kanon: Wachet auf! wachet auf! Es krähte der Hahn. Die Sonne betritt ihre goldene Bahn. Zweiter Kanon: Bruder Jakob, Bruder Jakob. Schläfst du noch? Schläfst du noch? Hörst du nicht die Glocken. Hörst du nicht die Glocken? Bim, bam bum. Der Kanon „Bruder Jakob“ lässt sich mühelos auf konkrete Situationen in der Familie umtexten.

Neben dem fröhlichen und aufmunternden Start durch Gebet und Gesang beim Frühstück, bietet es sich an, über Pflichten und Aufgaben des kommenden Tages zu sprechen. So lässt sich ein Tag überschauen und viele Angelegenheiten gestalten sich reibungsloser, zugleich wird das Gelingen der Arbeit und der Schulaufgaben verbessert.

Abschieds- und Begrüßungsrituale

Nach dem Frühstück geht die Familie auseinander. Ein Elternteil oder beide Eltern gehen zur Arbeit, die Kinder werden in den Kindergarten oder in die Schule gebracht. Diese Trennung wird in den meisten Familien mit einem Abschiedsritual vollzogen: Eine kurze Umarmung, ein Kuss auf die Wange und die besten Wünsche für den Tag. Manche Autor/innen verweisen darauf, dass die Abschiedsformel nicht zu negativ ausfallen solle.

„Pass ja auf, dass dir nichts zustößt!“ „Nimm den sicheren Weg, damit du nicht von einem Auto angefahren wirst!“ Solche Ermahnungen trauen dem Kind nichts zu und Warnungen machen das Kind eher ängstlicher. Ermunternde Aufforderungen können noch zusätzlich Selbstsicherheit und Selbstvertrauen stärken und festigen; zum Beispiel, wenn man dem Kind sagt „Heute ist dir ein Sieg sicher!“ „Du wirst dich in der Schulaufgabe glänzend schlagen!“

Ein Vater erzählt bei einem Seminar, bei ihnen zu Hause gab es beim Abschied das Ritual des Weihwassernehmens. Als sie in den Kindergarten und in die Grundschule gingen, tauchte die Mutter ihre Finger in den Weihwasserkessel und machte jedem Kind ein Kreuzzeichen auf die Stirn, als es die Wohnung verließ.

Später forderte die Mutter beim Verlassen des Hauses auf „Weihwassernehmen nicht vergessen!“ und jeder bekreuzigte sich selbst mit Weihwasser. Vor längeren Autofahrten habe seine Mutter wieder jeden ein Weihwasserkreuz auf die Stirn gezeichnet. So sollen Segen und Schutz Gottes alle auf dieser Fahrt begleiten.

Abschied im Kindergarten

Oftmals fällt Kindergartenkindern der Abschied an der Kindergartentür schwer. Ein Vater berichtet, er habe eines Tages seinem Sohn den Schlüsselanhänger übergeben mit der Bitte ihn sorgfältig aufzubewahren, bis er wieder abgeholt werde. So wurde der Abschied erleichtert. Ähnliches berichtet eine Mutter: Sie habe an der Kindergartentür mit ihrer Tochter das Freundschaftsband getauscht. Beim Abholen wurden die Freundschaftsbänder wieder zurückgegeben.

Begrüßungsrituale sind besonders erfreulich und für viele Kinder spannend und erlebnisreich, denn es kehrt einer aus der Familie wieder ins Nest zurück und das Band der Gemeinschaft schließt sich. Kinder untereinander lieben spaßige und lustige Begrüßungsrituale. „Meine beiden Töchter reiben sich die Nasen wie die Eskimos“, erzählt eine Mutter.

Ein Pfiff gellt durchs Haus. Ich bin wieder zurück, will damit der halbwüchsige Sohn zum Ausdruck bringen. Manche Kinder patschen in die erhobenen Hände, oder verteilen einen Ritterschlag auf die Schultern, wenn sie sich treffen. Drücken, Küssen, Schmusen und Kuscheln wollen jüngere Kinder, wenn Vater oder Mutter wieder in die Wohnung kommen. Ein Vater berichtet:

„Als unsere Kinder noch nicht in den Kindergarten gingen, legte ich mich nach der Begrüßung meiner Frau auf den Teppich im Kinderzimmer und tat so, als ob ich schlafen würde. Die Kinder zupften und zogen an mir herum, stiegen auf mich und versuchten mich zu drehen. Diese Behandlung war wie ein Massage, die teils sanft und teils ruppig ausfiel. Die Kinder hatten ihren Spaß und ich meine Entspannung.“ So gibt es in Familien viele Arten sich wieder in die Gemeinschaft einzufügen und beim Rest der Familie anzudocken.

Abschieds- und Begrüßungsrituale sind wie Seismographen der Familiendynamik. In manchen Familien wissen die Familienmitglieder nicht, wer noch nicht oder wer schon zu Hause ist. Die Familientherapeutinnen Evan Imber-Beck und Janine Roberts vermuten, dass in solchen Familien die individuellen Vorlieben und die Eigenprödelei mehr zählt als das Beziehungsgeflecht der Familie.

Ritual zum Mittagessen

„Guten Appetit, nichts verschlappert, nichts verschütt! Guten Appetit!“ Eltern und Kinder fassen sich an den Händen und sprechen rhythmisch diesen Spruch, der auf einer Familienfreizeit praktiziert wurde. Auch mit einem gemeinsamen Tischgebet, einem religiösen Spruch oder einem Lied kann das Mittagessen beginnen, zum Beispiel: Komm Herr Jesus sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast.

Eltern und Kinder sitzen harmonisch um den Familientisch, erfreuen sich an den hervorragend zubereiteten Speisen, tauschen Erlebnisse aus und beraten gemeinsam, was nachmittags ansteht. Diese Vorstellungen sind ein Idealbild, wie sie kaum noch in einer Familie anzutreffen sind. Denn in der Regel ist ein Elternteil außer Haus in der Arbeit und kann deshalb nicht am Mittagessen teilnehmen.

Für Familien mit mehreren schulpflichtigen Kindern ist es meist unmöglich, mittags einen Zeitpunkt zu finden, an dem alle Kinder zu Hause sind. Oftmals geht bei Kindern zu sehr unterschiedlichen Zeiten die Schule zu Ende und weitere Termine machen ein Warten aufeinander unmöglich. Diese Zerrissenheit beim Mittagessen an Wochentagen ist bei einigen Familien Anstoß, gerade am Wochenende beziehungsweise am Sonntag das gemeinsame Mittagessen mit Sorgfalt vorzubereiten und festlich zu begehen.

Ritual zur Teetime

Manche Familien haben gute Erfahrungen damit gemacht, dass sie am Spätnachmittag bei einer Tasse Kaffee oder Tasse Tee zusammen sitzen. Gegen 15.00 oder gegen 16.00 Uhr sind in der Regel alle Kinder aus der Schule zurück und es lässt sich ein gemeinsames Treffen nachholen. „Die Teezeremonie wurde in unserer Familie immer mehr ausgebaut“, berichtet eine Mutter. „Als die Kinder aufs Gymnasium gingen, waren alle gegen 16.30 Uhr wieder zu Hause, auch wenn einer noch Musikunterricht oder Training hatte.

Wie auf ein Signal hin kochte eines der Kinder Tee, ein anderes Kind deckte den Tisch und ich holte die Anisplätzchen aus dem Schrank. Wir saßen gemütlich beisammen, die obligatorische Bienenwachskerze tauchte alles in ein warmes Licht. Sorgen, Erlebnisse, Erfahrungen, Ideen, Pläne und Erfolge sprudelten nur so aus den Kindern heraus. Das Teetrinken war auch deshalb so entspannt, weil die Kinder meist ihre Hausaufgaben schon erledigt hatten.

Besonders romantisch war es in den Wintermonaten, wenn die Dämmerung noch zusätzlich die Stimmung erhöhte. Da wurden dann schon mal Lieder gesungen oder Gedichte und Geschichten vorgetragen.“ Dieser Bericht zeigt, wie sich Rituale neuen Gegebenheiten anpassen können. Die Möglichkeiten, die ein gemeinsames Mittagessen einmal bot, wurden auf eine Teestunde übertragen.

Ein wichtiges Ritual: Das gemeinsame Abendessen

Das gemeinsame Abendessen beschließt den Tag als Familiengemeinschaft. Eltern und Kinder sitzen nochmals am Esstisch und können einander teilhaben lassen, was sie erlebt haben. Erfolge und Niederlagen werden berichtet und Erfahrungen ausgetauscht. Gerade beim Abendessen sind Beratungen untereinander bereichernd, weil Eltern und Kinder so lernen, mit Schwierigkeiten und unvorhergesehenen Anforderungen besser zurecht zu kommen.

Es wird konkret und direkt erlebbar, wie Familiengemeinschaft trägt und sich gegenseitig stützt. Oftmals ist das Redebedürfnis von Schulkindern sehr groß und sie möchten zum einen den Eltern ihre Erfahrungen mitteilen und zum anderen wissen, wie die Eltern manche Situationen und Begebenheiten einschätzen und beurteilen. Gerade beim Abendessen kann die Kommunikationsgemeinschaft in der Familie einen sehr intensiven Austausch erreichen.

Wenn jedoch beim Abendessen nebenbei der Fernseher läuft, so sind die Chancen vertan, dass Eltern die Vorstellungen, Sorgen und Ängste ihrer Kinder umfassend und tief greifend kennen lernen. Noch dazu haben sie Gelegenheiten versäumt, den Kindern ihre Überzeugungen und Wertvorstellungen nahe zu bringen.

Das Gute-Nacht-Ritual

Für jüngere Kinder beginnen nach dem Abendessen die Vorbereitungen auf die Nachtruhe. Rituale sollen dabei den Abschied von den Aktivitäten und Aufregungen des Tages erleichtern und auf die Ruhe der Nacht vorbereiten. Für Kinder ist der Übergang von den vielen Eindrücken des Tages zur Ruhe und Entspannung der Nacht teilweise mit Schwierigkeiten verbunden.

Sie können manchmal nicht einschlafen, weil die Eindrücke des Tages noch nicht verarbeitet sind oder weil Ängste vor der Dunkelheit die Kinder plagen. Wenn der Ablauf des Bettgehens sich immer nach dem gleichen Muster vollzieht, dann erzeugt dies bei Kindern ein Gefühl von Sicherheit und Verlässlichkeit. Zur Einstimmung auf die Nachtruhe trägt auch das Erzählen oder Vorlesen von Geschichten bei. Der Inhalt einer Gute-Nacht-Geschichte sollte zur Beruhigung und Entspannung beitragen und darf die Kinder nicht in helle Aufregung versetzen.

Ein Abendgebet oder ein Abendlied zeigt Kindern auf, dass sie auch während des Schlafes auf Gottes Schutz und Segen vertrauen dürfen. Neben diesen Ritualelementen brauchen die Kinder Möglichkeiten mit Vater oder Mutter darüber reden zu dürfen, was sie noch bedrückt oder was für sie noch ungeklärt ist. Ein Abschiedskuss, ein Zudecken oder ein abschließendes Kuscheln kann das Gute-Nacht-Ritual beenden (auch interessant: Einschlafrituale bei Kindern).

Die Stressvermeidung im Familienalltag

Eine Häufung von Terminen, Gedränge beim Verlassen des Hauses, Hektik, wenn mehrere Pannen zugleich auftreten, wird es in allen Familien immer wieder geben. Rituale können Ausgleich schaffen. Sie entschleunigen die Vielzahl der Pflichten, sie setzen einen Halt zum Nachdenken und zum Überblicken auf mancher Rennstrecke im Familienalltag.

Deshalb sind sie unentbehrlich. Mehr noch: Sie sind sehr wichtig für ein gesundes und wohltuendes Familienklima, denn Rituale als Oasen für Ruhe und Entspannung helfen Eltern und Kindern Ausgeglichenheit zu finden. Solche Ruhepunkte im Alltag sind zugleich Orte der Sammlung und geben allen Beteiligten neue Energien für die anstehenden Pflichten und Aufgaben. Rituale im Familienalltag grenzen die Familienmitglieder aus dem Geschehen außerhalb der Familie aus und lassen individuelle Verhaltensweisen und Beziehungsmuster entstehen.

So entwickelt sich eine einmalige Familienidentität, die das Zusammengehörigkeitsgefühl vertiefen kann. Eine solche Familienidentität beinhaltet auch Wertvorstellungen und religiöse Überzeugungen, sowie Vorstellungen über die Kunst des Feierns und der ästhetischen Ausgestaltung von Lebensvollzügen.

Rituale holen kurzzeitig die Erfahrungen von Fest und Feier in den Alltag und tragen dazu bei, dass sich der Gemeinschaftssinn in der Familie vertieft. Vor allem jüngeren Kindern helfen Rituale die Eindrücke leichter zu verarbeiten und ihre Wahrnehmung zu strukturieren. Rituale gliedern den Alltag und geben ihm Ordnung und Übersichtlichkeit. Dies trägt wiederum dazu bei, Geborgenheit in der Familie erleben zu können.

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Quellen: Michael Schnabel, Weikert, A.: Rituale geben Kindern Halt, Kunze, P.; Salamander, C.: Die schönsten Rituale für Kinder, Preuschoff, G.: Geborgen im Jahreskreis. Rituale mit Kindern, Beil. B.: Schlummertuch und Hochzeitstag. Rituale in der Familie, Imber-Black, E.; Roberts, J.: Vertrauen und Geborgenheit. Familienrituale und alte Bräuche neu entdeckt, Düsseldorf Wien New York Moskau, eigene Recherche.