Finanzielle Hilfen für Alleinerziehende

Geld für Alleinerziehende

 Finanzielle Hilfe für Alleinerziehende

Je nach Lebenssituation hast du als Alleinerziehender verschiedene Ansprüche auf finanzielle Hilfen. Dabei ist es sehr wichtig, dass du dich rechtzeitig darüber informierst, also am besten sofort zu dem Zeitpunkt, an dem feststeht, dass du alleinerziehend wirst. Leider ist es oft sehr komplex, sich im Bürokraten-Dschungel zurechtzufinden – dabei kannst du ganz schnell einige hundert Euro im Monat weniger zur Verfügung haben, wenn du nicht alle Leistungen in Anspruch nimmst. Deshalb haben wir dir die wichtigsten finanziellen Hilfen für Alleinerziehende zusammengestellt. Bei Fragen stehen wir dir übrigens jederzeit gern zur Seite!


Unterhalt | Sonderbedarf | Ehegattenunterhalt | Betreuungsunterhalt | Elterngeld | Steuervorteile | Kindergeld | Kinderzuschlag | Wohngeld


Finanzielle Hilfe #1: Unterhalt

Düsseldorfer-Tabelle

Düsseldorfer Tabelle

Jedes Kind hat grundsätzlich einen Anspruch auf Unterhalt! Dabei leistet der Elternteil, bei dem das Kind lebt, seinen Unterhalt durch die Pflege und Erziehung des Kindes, während der andere Elternteil Barunterhalt zu zahlen hat. Die Höhe des Unterhalts hängt von folgenden Faktoren ab:
– Höhe des Einkommens des Unterhaltszahlers (Grundlage: Düsseldorfer Tabelle – s. rechts)
– Alter des Kindes
– Zahl der Personen, denen Unterhalt zusteht

Der gesetzliche monatliche Mindestunterhalt beträgt jedoch:
– 317,- Euro: Für Kinder bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres
– 364,- Euro: Für Kinder bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres
– 426,- Euro: Für Kinder bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres

=> wichtig: Du solltest den Unterhalt frühestmöglich beantragen, denn er wird nicht rückwirkend bezahlt, sondern erst ab Antragsstellung!

Was ist zu tun, wenn der Unterhaltspflichtige nicht zahlt?

Wenn du keinen oder zu wenig Unterhalt vom Unterhaltspflichtigen erhältst, kannst du den sogenannten Unterhaltsvorschuss beim zuständigen Jugendamt beantragen. Die Höhe des Unterhaltsvorschusses beträgt monatlich:
– 133,- Euro: Für Kinder bis 5 Jahre
– 180,- Euro: Für Kinder 6 – 11 Jahre

=> zu beachten: Unterhaltsvorschuss wird maximal 72 Monate bezahlt und nur bis zum 12. Geburtstag des Kindes!

Finanzielle Hilfe #2: Sonderbedarf

Sofern zusätzliche Kosten entstehen spricht man von Sonderbedarf (muss innerhalb 12 Monaten nach Entstehung der Kosten geltend gemacht werden!). Solche Sonderkosten können bspw. Klassenfahrten, Nachhilfeunterricht, besondere Behandlungskosten bei einem Arzt, Betreuungskosten (auch Kindergartenbesuch bei länger als einen halben Tag), Prozesskosten, Säuglingserstausstattung, Schüleraustausch, Umzugskosten sein. Grundsätzlich müssen sich beide Elternteile bei solchen Sonderkosten anteilsmäßig beteiligen.

=> Ausnahme: Der Elternteil, bei dem das Kind lebt hat keine Nettoeinkünfte über 840,- Euro.

Finanzielle Hilfe #3: Ehegattenunterhalt:

Der Ehegattenunterhalt unterteilt sich – je nach Familienstand – in Trennungsunterhalt oder Geschiedenenunterhalt. Dabei ist der Trennungsunterhalt im Vergleich zum Geschiedenenunterhalt relativ einfach durchzusetzen. Denn hier ist es grundsätzlich ausreichend, wenn der unterhaltsberechtigte Ehegatte weniger Einkommen hat als der andere Ehegatte. Trennungsunterhalt wird in der Zeit gewährt, wenn du zwar getrennt lebst, aber noch nicht geschieden bist. Die Höhe des Trennungsunterhalts richtet sich nach dem Einkommen des Unterhaltspflichtigen und beträgt im Normalfall monatlich 3/7 des anrechenbaren Nettoeinkommens. Sofern beide (Ex-)Partner berufstätig sind, beträgt die Höhe des Trennungsunterhalts 3/7 des Differenzeinkommens. Geschiedenenunterhalt (nachehelicher Unterhalt) ist an strengere Voraussetzungen geknüpft als der Trennungsunterhalt. Denn hier muss bewiesen werden, dass der Einkommensunterschied seine Ursache in der Ehe hat (ehebedingter Nachteil). Seit 01.03.2013 spielt auch die Dauer der Ehe für die Berechnung des Unterhalts eine Rolle.

=> Anmerkung: Grundsätzlich ist der Ehegattenunterhalt relativ komplex und abhängig vom jeweiligen Einzelfall. Sofern hier keine Einigung mit dem Ex-Partner erzielt wird, ist es ratsam sich professionelle Unterstützung durch das Jugendamt oder in Form eines Rechtsbeistands einzuholen.

Finanzielle Hilfe #4: Betreuungsunterhalt:

Dem Alleinerziehenden steht nach der Trennung oder Scheidung grundsätzlich Betreuungsunterhalt zu. Dieser ist zunächst befristet, bis das Kind drei Jahre alt ist. In dieser Zeit kann von dem betreuenden Elternteil nicht verlangt werden, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Danach bedarf es einer Einzelfallprüfung, ob der Betreuungsunterhalt weiter gewährt wird, oder nicht.
Die Höhe des Betreuungsunterhalts beträgt 3/7 des anrechenbaren Nettoeinkommens vom Unterhaltspflichtigen, wobei hier der Kindesunterhalt vorrangig abzuziehen ist und dem Unterhaltspflichtigen ein Selbstbehalt von 1.100,- Euro zusteht.

=> Anmerkung: Vorausgegangene Ehe ist hier keine Voraussetzung – Betreuungsunterhalt kann auch für nichteheliche Kinder beantragt werden!

Finanzielle Hilfe #5: Elterngeld

Alleinerziehende können 14 Monate Elterngeld in Anspruch nehmen. Die Höhe des Elterngeldes orientiert sich am Einkommen, das der betreuende Elternteil im Jahr vor der Geburt hatte. Es beträgt jedoch monatlich mindestens 300 Euro (für Einkommen unter 1.000,- Euro) und höchstens 1.800,- Euro (für Einkommen von mehr als 1.000,- Euro werden davon zwischen 65- und 67% als Elterngeld bezahlt).

=> Anmerkung: Das Elterngeld wird beim Arbeitslosengeld II, bei der Sozialhilfe und beim Kinderzuschlag vollständig als Einkommen angerechnet – dies betrifft auch den Mindestbetrag von 300 Euro!

Finanzielle Hilfe #6: Steuervorteile

Alleinerziehenden steht die Steuerklasse II zu und damit erhalten sie einen steuerlichen Entlastungsbetrag von 1.308,- Euro jährlich, bzw. 109,- Euro monatlich. Dieser Entlastungsbetrag ist bereits in die Lohnsteuertabelle integriert und wird bereits während des laufenden Kalenderjahres monatlich von der Steuerschuld abgezogen (muss also in der Steuererklärung nicht mehr extra berücksichtigt werden).

=> Tipp: Leider hat unsere Lobby der Alleinerziehenden in Deutschland (noch) zu wenig Einfluss und deshalb stehen uns sehr wenig steuerliche Vorteile zu. Es gibt dennoch diverse Möglichkeiten, seine Steuerlast etwas zu reduzieren;) So gibt es ab 2012 bspw. die Berechtigung, Kinderbetreuungskosten steuerlich abzusetzen. Dabei können sowohl Kindergartengebühren und Kosten für Betreuungsdienstleistungen abgesetzt werden, doch genauso bietet es sich an, bspw. mit der Oma einen „Vertrag“ abzuschließen (im dem eine feste Bezahlung für die Betreuung vereinbart ist), denn diese Kosten können ebenfalls abgesetzt werden!

Abziehbar sind 2/3 dieser Sonderausgaben, bis maximal 4.000,- Euro pro Jahr und das ganze ist möglich für Kinder bis zu einem Alter von 14 Jahren. Diese Begünstigung hat im übrigen keine Auswirkungen auf den Kinderfreibetrag und das Kindergeld!

Finanzielle Hilfe #7: Kindergeld / Kinderfreibetrag

Das Kindergeld wird für Kinder bis zum 18. Lebensjahr bezahlt (Ausnahme: Wenn sich das Kind in Ausbildung / Studium befindet, bis zum 25. Lebensjahr). Die monatliche Höhe des Kindergeldes staffelt sich wie folgt:
– 184,- Euro für das erste und zweite Kind
– 180,- Euro für das dritte Kind
– 215,- Euro für jedes weitere Kind

=> Anmerkung: Der korrespondierende Kinderfreibetrag (steuerliche Entlastung) ist nur für Alleinerziehende interessant, deren zu versteuerndes Jahreseinkommen ca. 30.000 Euro und mehr beträgt. Das Finanzamt prüft automatisch mit der Steuererklärung (sog. Günstigerprüfung), ob nun das Kindergeld oder der Kinderfreibetrag zur Anwendung kommen.

Finanzielle Hilfe #8: Kinderzuschlag

Der Kinderzuschlag lohnt sich für Alleinerziehende mit geringem Einkommen. Damit kannst du verhindern, Arbeitslosengeld II (Hartz IV) beantragen zu müssen (der Kinderzuschlag liegt über den Sätzen von Hartz IV). Jedoch wird hier ein Mindesteinkommen von 600 Euro (brutto) im Monat vorausgesetzt. Dabei darf jedoch ein bestimmtes Vermögen und bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten werden – die Berechnung erfolgt individuell durch die Bundesagentur für Arbeit. Kinderzuschlag kannst du für Kinder bis zum Alter von 25 Jahren erhalten.

Finanzielle Hilfe #9: Wohngeld:

Alleinerziehende mit geringem Einkommen können Wohngeld (Mietzuschuss) beantragen, wenn sie die Miete Ihrer Wohnung selbst bezahlen und keine weiteren Sozialleistungen (Hartz IV, Sozialhilfe) erhalten. Die Höhe des Wohngelds hängt von verschiedenen Faktoren (u.a. Anzahl Haushaltsmitglieder, Einkommen, Höhe der Miete) ab, die individuell von der Wohngeldbehörde berechnet werden.

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